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Maut in Europa: So geht es am schnellsten durch den Maut-Dschungel

Maut in Europa: So geht es am schnellsten durch den Maut-Dschungel
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Sie sind mit Ihrem Auto oder mit einem Mietwagen in die Ferien unterwegs? Dann müssen Sie einen Posten fest in Ihren Urlaubs-Etat einplanen: Die Mautgebühren. Europas Staaten erheben beinahe flächendeckend Gebühren für die Nutzung von Autobahnen. Dazu kommen noch Sondergebühren für Brücken, Pässe oder Tunnel. Auf einer Fahrt durch Europa ist das ein nicht unerheblicher Aufwand. Wer zum Beispiel mit seinem Auto an die kroatische Adria tourt, ist schon allein für den Transit durch Österreich und Slowenien bis zu 120 Euro los. Oder der Transit durch Tirol und über den Brenner nach Italien kostet rund 16 Euro pro Strecke.

In neun Ländern zahlen Sie Kilometergeld

Neun EU-Länder setzen auf das Modell einer streckenbezogenen Maut auf bestimmten Straßen oder im gesamten Netz. Abgerechnet wird also nach gefahrenen Kilometern. Die Länder Frankreich, Italien, Portugal, Spanien, Kroatien, Griechenland, Polen, Großbritannien und Irland verfahren so. Andere Staaten außerhalb der EU erheben zumindest für einen Teil ihres Autobahn- und Schnellstraßen-Netzes eine Streckenmaut. Das sind Norwegen, Serbien, Mazedonien, Bosnien-Herzegowina, Weißrussland und die Türkei. In der Regel beginnen die zahlungspflichtigen Abschnitte mit einer Mautstelle, an der man einen Beleg erhält oder das Fahrzeug elektronisch erfasst wird. An jeder Abfahrt oder am Ende eines Mautabschnitts entrichtet man die fällige Streckenmaut. Überschlagsweise sollte man mit Kosten von 7 bis 10 Euro pro 100 Kilometer kalkulieren. Die Streckenmaut ist oft auch innerhalb eines Landes unterschiedlich, weil sie sich zum Beispiel in Frankreich auch nach den Baukosten der Autobahn berechnet.

Vignetten-Pflicht in acht Ländern

Acht europäische Länder haben ein Vignetten-Modell eingeführt. Dazu gehören Bulgarien, Österreich, Rumänien, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn. Dabei zahlen Autofahrer pauschal eine Mautgebühr für einen bestimmten Zeitraum. Die Maut ist überwiegend gestaffelt nach Vignetten für eine Woche, einen Monat oder ein ganzes Jahr. Für den Wochenend-Trip und den Transit reicht so die günstigste Vignette. Wer in seinem Urlaubsland mit einem Mietwagen unterwegs ist, sollte unbedingt darauf achten, dass eine gültige Vignette an Bord ist. Denn die Länder reagieren auf Vignetten-Sünder mit teils drastischen Geldbußen: Es gibt einige teure Fallstricke. Um unliebsame Überraschungen zu vermeiden, sollte man sich rechtzeitig vor dem Urlaub über die Mautbedingungen informieren. Wer schon von daheim aus Vignetten oder digitale Mautsysteme bestellt, verschafft sich freie Fahrt.

Hier kommen ein paar länderspezifische Tipps, um sich unnötigen Ärger zu ersparen:

Frankreich akzeptiert für die Bezahlung der Péage Bargeld sowie Kreditkarten von Master und Visa. Die Bezahlung mit der in Deutschland so beliebten EC-Karte (Maestro) ist nicht möglich. Bargeldlos geht es auch mit der LIBER-t-Card. Infos dazu gibt es unter www. telepeagelibert.com.

Diese Variante ist sehr empfehlenswert, weil es mittlerweile viele automatisierte Zahlstellen ohne Möglichkeit der Barzahlung gibt. Für die Maut ist in Frankreich auch die Fahrzeughöhe erheblich. Die automatisierte Höhenmessung an den Mautstellen ist manchmal fehlerhaft. Zum Beispiel, weil das System auch eine eigentlich mautfreie Dachbox misst.

Für eine Reise nach Großbritannien empfiehlt es sich, einen Mietwagen zu buchen, weil man mit einem linksgesteuerten Fahrzeug im Linksverkehr schwer zurechtkommt. Außerdem spart man sich erhebliche Kosten für die Fähre. Für die Fahrt in die Innenstadt von London wird die London Congestian Charge in der Höhe von 11,50 Pfund fällig. Die Charge muss per Kennzeichenregistrierung oder Plakette im Voraus bezahlt werden. Das geht auch online: https://tfl.gov.uk/modes/driving/congestion-charge.

Kameras überwachen einfahrende Autos. Wer ohne zu bezahlen nach London hineinfährt, zahlt 120 Pfund Strafe. Gut gefüttert sein sollte auch, wer in der Region Greater London mit einem älteren SUV oder Pickup mit der Schadstoffklasse Zwei und mehr als 1,5 Tonnen Gewicht unterwegs ist. Das Gebiet ist als London Low Emission-Zone ausgeschrieben. Die Einfahrt für die schweren Dinosaurier kostet 100 bis 200 Pfund – täglich!

Für Camper gibt es in Polen eine Besonderheit. Caravans kosten nicht nur auf der Autobahn, sondern auf allen Schnell- und Bundesstraßen Maut. Kassiert wird das über einen elektronischen Transponder. Wer seinen Caravan auf dem Campingplatz abstellt und dann nur mit seinem Auto unterwegs ist, sollte den Transponder für diese Touren unbedingt abschalten, weil sonst für beinahe sämtliche Fahrten Maut fällig wird.

Nicht gerade einen glänzenden Ruf in Sachen Touristenfreundlichkeit hat sich Slowenien erworben – zumindest die Maut betreffend. Die Schwierigkeiten beginnen oft schon mit der richtigen Maut-Einordnung des Fahrzeugs. Für Autos, die über der Vorderachse höher sind als 1,30 Meter, gilt die doppelte Maut der Fahrzeugkategorie 2B. Das trifft zum Beispiel für eine Reihe von Vans und Kastenwagen zu. Die falsche Vignette kostet bis zu 800 Euro Strafe. Die Kontrollen sind streng und das Kontrollnetz dicht. Wer nicht gleich bezahlen kann, dem droht der Entzug von Führerschein, Fahrzeugschein und Reisepass bis zur Bezahlung. Dennoch ist ein Slowenien natürlich ein sehr schönes und reizvolles Land. Daher empfiehlt sich ein Mietwagen, der garantiert schon mit der richtigen Vignette ausgestattet ist.

In Portugal zahlt man die streckenbezogene Maut in der Regel bar oder mit Kreditkarte. Es gibt aber bereits viele Autobahnabschnitte, bei denen die Maut über einen elektronischen Transponder erhoben wird. Bei einem Mietwagen sollte man unbedingt darauf achten, dass ein solcher Transponder an Bord ist.

Ungarn hat die elektronische Vignette e-Matrica eingeführt. Eigentlich eine fortschrittliche Lösung. Leider kommt es bei der Registrierung immer wieder zu Fehlern, zum Beispiel bei der Erfassung des Autokennzeichens. Man sollte die Angaben bei der Registrierung also penibel prüfen. Denn jede Änderung kostet fünf Euro und ein fehlerhafter Eintrag mindestens 50 Euro, wenn man erwischt wird. Versäumt man dann noch die Zahlungsfrist versäumt, sind 200 Euro fällig.

Auch in Italien gilt flächendeckend Mautpflicht auf Autobahnen. Immer mehr Mautstellen sind automatisiert und eine Zahlung nur mit einer gängigen Kreditkarte möglich. Alternativ gibt’s an vielen Verkaufsstellen die VIACARD, eine Art Prepaid-Kreditkarte für die Maut mit einem Guthaben von 25 oder 50 Euro. Die Telepass-Mautboxen für die automatisierte Zahlung gibt’s bei www.tolltickets.com. Manchmal führen die Schranken an den italienischen Mautstellen ein Eigenleben und öffnen, obwohl man gar nicht bezahlt hat. Auch in diesem Fall, sollte man sich per Knopfdruck an der Mautstelle unbedingt einen Beleg ausgeben lassen. Wenn man später nachzahlen muss, kann man diesen Beleg vorweisen. Wer einfach durchfährt, riskiert eine Geldstrafe.

In Norwegen kosten nicht nur einige wichtige Verbindungen Maut, sondern auch die Einfahrt in viele Städte. In Oslo sind das zum Beispiel 81 Kronen (circa neun Euro) oder in Trondheim 72 Kronen (circa acht Euro). Die Maut wird elektronisch über die OnBoard Unit AUTOPASS kassiert. Auch bei einem Urlaubsmietwagen sollte man immer fragen, ob das System installiert ist. Infos gibt es unter www.autopass.nor.

Die Kosten für Europas Autobahnvignetten im Überblick (für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen)

Mauttabelle für Europa

Quelle: etm-testmagazin.de/ratgeber/mautregelungen-im-uberblick-2115