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Smartphone und Bordcomputer: Das passiert mit Ihren persönlichen Daten im Mietwagen

Smartphone und Bordcomputer: Das passiert mit Ihren persönlichen Daten im Mietwagen
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Ihr Lieblingslied dröhnt aus den Lautsprechern Ihres Mietwagens, als Sie die letzten Meter zur Abgabestation der Autovermietung zurücklegen. Ihre Laune ist super, der Urlaub war traumhaft. Gemeinsam mit einem freundlichen Angestellten kontrollieren Sie noch einmal, ob keine Kratzer am Auto sind. Die letzte Tasche wird aus dem Kofferraum gehoben, das Handy abgekoppelt und der Schlüssel abgegeben. Haben Sie auch nichts vergessen? Was ist zum Beispiel mit Ihren persönlichen Daten, die Sie während der Mietdauer durch Ihr Handy an den Bordcomputer übertragen haben: Haben Sie daran gedacht, die Daten zu löschen?

Smartphone im Mietwagen nutzen: Das sollten Sie beachten

Es ist schon sehr praktisch, das eigene Smartphone mit dem Mietwagen zu verbinden: Sie laden automatisch den Akku, können auf Ihre Playlisten zugreifen und den Anruf Ihrer Mutter oder eines Geschäftspartners direkt über die Freisprecheinrichtung annehmen. Ihr Beifahrer hat die Möglichkeit, das eben geschossene Foto der atemberaubenden Landschaft an Freunde zu schicken oder gleich online zu posten. Auch die Kritiken über das nächstgelegene Restaurant oder Hotel hat Ihre Begleitung schnell zur Hand. Smartphone und Mietwagen zu koppeln – das sorgt für ein Plus an Bequemlichkeit und Komfort.

Wenn Sie diese Vorteile schätzen, empfiehlt es sich, am Ende der Mietdauer die eigenen Daten wieder zu löschen. Sie verhindern so, dass die Autovermietung nach Rückgabe des Wagens und möglicherweise auch der Fahrzeughersteller oder gar die Nachmieter Zugriff auf Ihre Daten haben. Genau wie Sie kontrollieren, ob Sie Ihr Portemonnaie oder Ihre Sonnenbrille nicht im Wagen vergessen, sollten Sie also zukünftig auch daran denken, Ihre persönlichen Daten nicht zurückzulassen.

Diese Daten übertragen Sie mit Ihrem Smartphone

Datenübertragung mit dem Smartphone

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Sobald Sie Ihr Smartphone mit dem Mietwagen synchronisieren, wird der Zugriff auf Ihre gespeicherte Musik gewährt und die Freisprechanlage konfiguriert. Je nach Automodell ist es außerdem möglich, dass Ihr Smartphone noch weitere Daten überträgt. Dazu gehören eventuell:

  • Ihre Telefonnummer
  • Verbindungs- und Kontaktdaten
  • Textnachrichten

Sobald Sie die Verbindung zwischen Fahrzeug und Smartphone lösen, werden Ihre Daten aber nicht automatisch gelöscht: Sie bleiben im Fahrzeug erhalten. Es besteht also die Gefahr, dass andere Personen auf Ihre hinterlassenen Daten zugreifen können. Selbst wenn Sie nur Ihr Handy aufladen wollen und dafür die USB-Verbindung nutzen, ist ein automatischer Datenfluss möglich.

Autovermietungen haben kein Interesse an persönlichen Daten

Eigentlich haben Autovermietungen kein Interesse an Daten, die durch die Übertragung der Smartphones im Mietauto vorhanden sein könnten. In der Regel werden die Daten weder gesammelt, noch ausgelesen oder ausgewertet. Trotzdem bleiben die Daten im Fahrzeug gespeichert. Und sind damit für jeden sichtbar, der das Auto nach Ihnen benutzt. Da kann leicht ein Missbrauch der Daten geschehen.

Deswegen sichern sich Autovermietungen gerne ab: Sie weisen darauf hin, dass es in Ihrer eigenen Entscheidung und Verantwortung liegt, ob Sie Ihr Smartphone mit dem Kommunikationssystem des Mietwagens verbinden. Genauso, wie Sie auch jedes Mal neu entscheiden, ob Sie ein öffentliches WLAN nutzen wollen oder nicht. Sie müssen also bei der Rückgabe des Mietwagens selbst dafür Sorge tragen, dass Sie Ihre eigenen Daten auch wieder entfernen.

Diese Daten zeichnet der Wagen generell auf

Datenaufzeichnung im Mietwagen

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Moderne Autos speichern riesige Datenmengen und senden sie an den Hersteller. So werden beispielsweise nicht nur Geschwindigkeit, Fahrzeugposition oder die Nutzung des Tempomats registriert, sondern auch die Daten der Klimaanlage, der Abstand zu anderen Fahrzeugen oder die maximale Drehzahl.

Dazu kommen die Reisedaten: Im Navigationsgerät hinterlassen Sie die letzten Adressen, zu denen Sie gefahren sind. Ihr gesamtes Bewegungsmuster wird auf diese Weise nachvollziehbar: Wie lange waren Sie an welchem Ort? Generell gilt: Je komfortabler und moderner der Wagen, desto mehr Daten können und werden auch gesammelt.

Dazu werden Daten gesammelt

Durch das Aufzeichnen der gefahrenen Kilometer ist es dem Fahrzeug und somit der Autovermietung beispielsweise möglich, zu merken, wenn ein Reifenwechsel bevorsteht. Ein Autovermieter, der hochpreisige Wagen verleiht, kann durch das GPS verfolgen, wo sich das Fahrzeug aufhält. Ob es vielleicht eine Landesgrenze überquert – was möglicherweise nicht im Vertrag vereinbart war.

Der Vorteil für die Autovermietung liegt eindeutig auf der Hand: Sie schützen sich vor einem Diebstahl. Ein weiteres Argument für die Aufzeichnung von Daten ist die Aufklärung von Unfällen. So wäre es bei einem Unfall zum Beispiel möglich, die Geschwindigkeit und die zurückgelegte Strecke des Mietwagens im Anschluss zu rekonstruieren. Anhand der Daten könnte so die Schuld oder Unschuld des Fahrers sicher bewiesen werden.

So gelingt das Löschen Ihrer Daten

Eine pauschale Anleitung, wie Sie Ihre Daten in einem Mietwagen löschen können, gibt es leider nicht. Je nach Autotyp variiert die Vorgehensweise. Finden Sie im Wagen selbst keine Informationen dazu, können Sie im Internet explizit nach der Marke suchen und finden eine Anleitung. Oder Sie sprechen die Autovermietung direkt darauf an.

Alternativen zur Nutzung des Bordcomputers

Auch, wenn Sie am Ende Ihrer Mietwagenfahrt die Profildaten Ihres Smartphone löschen und alle anderen Geräte zurücksetzen: Eine Garantie, dass keine Daten im Fahrzeug verbleiben, gibt es für Sie nicht. Die Fahrzeughersteller halten sich zu dem Thema sehr bedeckt, sie fürchten um ihre Konkurrenzfähigkeit im Vergleich zu anderen Marken. Möchten Sie daher auf Nummer sicher gehen und einfach in Ruhe Urlaub machen – dann gibt es auch andere Möglichkeiten, Ihre Daten zu sichern. Folgende Ideen helfen Ihnen dabei:

  • Laden Sie Ihr Handy über den Zigarettenanzünder auf, nicht über den USB-Anschluss.
  • Bringen Sie Ihre eigene Freisprechanlage mit. Halten Sie kurz an geeigneter Stelle an, wenn das Telefon klingelt – oder lassen Sie den Anrufer auf die Mailbox sprechen.
  • Bereiten Sie zu Hause eine Urlaubsplayliste vor. Speichern Sie die Playlist auf einem USB-Stick, den Sie im Auto anschließen können. Statt einer Playlist zu lauschen, können Sie unterwegs auch Radio hören. So tauchen Sie in die landestypische Kultur ein.
  • Nutzen Sie Ihr eigenes Navigationssystem: Laden Sie dazu vor der Reise das entsprechende Kartenmaterial Ihrer Urlaubsregion herunter. Oder installieren Sie sich eine App auf Ihr Smartphone.

Entscheiden Sie selbst

Wie bei fast allen Dingen, gibt es auch bei der Nutzung des Infotainment-Systems in Mietwagen Vor- und Nachteile. Schließen Sie Ihr Smartphone an den Bordcomputer Ihres Mietwagens an, können Sie einerseits bequem auf Ihren Speicher zugreifen, frei sprechen und Ihr Beifahrer im Internet surfen. Andererseits geben Sie damit persönliche Daten preis. Und das Restrisiko, dass einige der Daten auch nach manueller Löschung weiterhin verfügbar sind, bleibt bestehen.

Das Wichtigste für Sie als Mietwagenkunde ist es, informiert zu sein. Wägen Sie für sich die positiven und negativen Seiten ab und treffen Sie eine Entscheidung. Nur so handeln Sie selbstbestimmt. Wenn Sie sich unsicher sind, sprechen Sie einen Mitarbeiter der Autovermietung an.