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Das Wasser glitzert in der Sonne. Es fällt tröpfelnd von der Dachterrasse des gegenüberliegenden Hotels, wo eine Angestellte die Pflanzen wässert und die Glasfront putzt. Vorübergehende Passanten blicken ein wenig überrascht nach oben, denn regnen sollte es zu dieser Jahreszeit nicht mehr auf Malta. Jetzt ist es Juni und der Himmel könnte nicht blauer sein, nicht eine Andeutung einer Wolke zeigt sich am Firmament. „Es wird für die nächsten vier Monate so bleiben“, sagt uns der Hotelangestellte später. Und es stimmt. Zumindest in dieser einen Woche, in der ich mich auf Malta befinde, ist das Wetter zuverlässiger als ein Schweizer Uhrwerk.

Die Bucht von Mellieha und die Blaue Lagune

Morgens sind die Temperaturen noch recht milde, inzwischen ist es Mittag und brennend heiß! Ich überblicke von meinem Balkon in der sechsten Etage die stille Bucht von Sliema. Kleine und mittelgroße Boote bilden bunte Farbtupfer auf dem grünblauen Hintergrund. „Ich brauche dringend eine Abkühlung“, denke ich und so ist mein erstes Ausflugsziel die Bucht von Mellieha im Nordosten Maltas. Sie wurde mir von einer Hoteldame empfohlen. Die Fahrt dorthin ist angenehm, auch wenn ich mich zuerst an den Linksverkehr gewöhnen muss. Angekommen, stürze ich mich gleich in das kühle Nass. Das Meer ist durchsichtig und klar bis auf den Grund.

Malta ist felsig, doch Bademöglichkeiten gibt es zur Genüge. Das schönste Wasser befindet sich in der Blauen Lagune.

Malta ist allgemein felsig und trocken und es gibt wenige Strände, die schönsten liegen im Norden der Insel. Sie sind gut mit dem Auto zu erreichen. Trotzdem kann man überall baden. Die Malteser machen es vor, sie gehen überall schwimmen. Jeder Felsen ist für einen Sprung in das Wasser gut, das so salzig ist, dass es schwerfällt tief zu tauchen. Umso leichter ist es jedoch, rücklings entspannt darauf zu schweben und in den Himmel zu schauen.

Türkisblaues Mittelmeerwasser bei Malta nahe der Blauen Lagune.

Türkisblaues Mittelmeerwasser bei Malta nahe der Blauen Lagune.

Ähnlich schöne Strände wie den in der Bucht von Mellieha gibt es vor allem im Nordwesten Maltas: Ghadira Bay, Golden Bay, Ghajn Tuffieha Bay, oder Gnejna Bay. Das schönste Wasser findet sich in der Blauen Lagune, die sich zwischen den kleinen nördlichen Inseln Comino und Cominotto befindet und nur mit dem Boot erreichbar ist. Da ich so viel davon gehört habe, entscheide ich mich dorthin zu fahren. Ich erreiche Cirkewwa, den Anleger für Fähren nach Gozo und kleinere Ausflugsboote zur Blauen Lagune. Gozo, Comino und Cominotto gehören allesamt zum Inselstaat Malta. Es ist Juni und die Hauptsaison beginnt erst im Juli und August. Ich frage also den Ticketverkäufer, ob es voll sein wird bei der Blauen Lagune. Er verneint zu meiner Zufriedenheit und sagt: „Heute ist es nicht so voll“. Seine Worte erklingen in meinem Kopf als ich ankomme und die menschlich bepackten Klappstühle sehe. Kein Platz am Wasser, das zugegebenermaßen wirklich schön ist und irgendwie an die Karibik erinnert, aber mich dennoch ein wenig enttäuscht zurücklässt. Ich bleibe nicht lange.

Ein Ausflug nach Valletta, Kulturhauptstadt Europas 2018

Maltas Hauptstadt Valletta und die „Our-Lady-of-Mount-Carmel“-Kirche in der rötlichen Abenddämmerung.

Maltas Hauptstadt Valletta und die „Our-Lady-of-Mount-Carmel“-Kirche in der rötlichen Abenddämmerung.

Unzählige Fischschwärme zwischen Booten, die wie in der Luft liegen. Der Moment verweilt in der Stille an diesem Morgen. Ich habe einen Kaffee in der Hand und genieße die Atmosphäre des Tagesanbruches. Die Sonne deutet ihre Stärke schon an. Ich sehe Valletta auf der anderen Seite der Bucht, das durch das mächtige Bollwerk der Stadtmauer auf mich wirkt. Eine beigefarbene ovale Form sticht aus dem kompakten Architekturensemble der Stadt heraus. Es ist die Kuppel der „Our-Lady-of-Mount-Carmel“-Kirche, die mit ihren zweiundvierzig Metern Höhe die Stadtsilhouette prägt wie kein anderes Gebäude.

Sieht man von Vatikanstadt ab, ist Valletta die flächenmäßig kleinste und von der Einwohnerzahl her die drittkleinste Hauptstadt Europas. Mit weniger als siebentausend Einwohnern auf etwa einem Quadratkilometer bündelt sich hier das Leben zwischen den engen Gassen der Stadt. Valletta ist schachbrettartig und eng angelegt. Wegen der vielen Steigungen erweist es sich als schwieriges Terrain für Autofahrer. Ich genieße also die historische Innenstadt zu Fuß, lasse den Mietwagen außerhalb stehen.

Vallettas Geschichte und der Einfluss der Engländer auf Malta

Reste englischen Einflusses: Sprache, Linksverkehr und die typische Telefonzelle.

Reste englischen Einflusses: Sprache, Linksverkehr und die typische Telefonzelle.

Der Grundstein Vallettas wurde im Jahr 1566 gelegt, ein Jahr nachdem das Osmanische Reich vergeblich versuchte, die Mittelmeerinsel einzunehmen. Aus Vorsicht vor einem erneuten Angriff der Türken plante der damalige Großmeister des auf Malta ansässigen Johanniter-Ordens Jean Parisot de la Valette diese neue Festungsstadt und wurde gleichzeitig auch ihr Namensgeber. Er selbst starb zwei Jahre nach Grundsteinlegung und konnte sein imposantes Werk nicht mehr erleben.

1571 wird Valletta neue Hauptstadt und Sitz der Malteserritter. Mehr als zweihundert Jahre später erobert Napoleon im Jahre 1798 Malta und die Johanniter verlassen die Insel. Zwei Jahre später kommen auf Bitten der Malteser die Engländer und erreichen die Kapitulation der Franzosen. Nachfolgend ist Malta unter britischem Einfluss, der bis zum 21. September 1964 andauern sollte. An diesem Tag löst sich Malta endgültig aus der Kolonialherrschaft und wird ein unabhängiger Inselstaat.

Einige Reste des langen englischen Einflusses verbleiben jedoch, und sind im alltäglichen Leben spürbar: es herrscht Linksverkehr auf Malta und es finden sich die britischen Telefonzellen im typischen Rot mit kleinen Fenstern. Ein wahrlich nostalgischer Anblick.

Das Temperament der Menschen auf Malta kommt mir trotz südeuropäischer Wärme weniger hitzig als in anderen Mittelmeerstaaten vor. Es ist irgendwie englischer, so mein ganz persönlicher Eindruck. Es wird beim Autofahren beispielsweise deutlich weniger gehupt. Die Menschen sind freundlich und entspannt. Und dann ist da noch die englische Sprache, die auffällig gut von der maltesischen Landesbevölkerung gesprochen wird. Das Englische ist neben dem Maltesischen die zweite Amtssprache des Landes. Die maltesische Sprache basiert ursprünglich auf einem Dialekt des Arabischen, einer semitischen Sprache. Das Maltesische ist weltweit die einzige semitische Sprache, die mit lateinischem Alphabet geschrieben wird. Italienische und englische sowie einige spanische und französische Wörter mischen sich in die einheimische Sprache. So wird ein Gespräch gerne mit einem aus dem Italienischen entlehnten „Grazzi“ für danke abgeschlossen.

Die „Three Cities“: Cospicua, Senglea und Vittoriosa

Von Valleta aus, lassen sich die sogenannten „Three Cities“ sehen: Cospicua, Senglea und Vittoriosa. Es sind drei bewohnte und bewehrte Landzungen, die älter als Valletta sind. Vittoriosa war vor Valletta die Hauptstadt Maltas. Nachdem die Türken 1565 scheiterten, wurde Valletta erbaut. Insbesondere die Vittoriosa Waterfront ist sehr schön und lohnt einen Besuch. Innerhalb der Marina liegen kleine und große Yachten und es gibt einige Restaurants. Während es auf der einen Seite der Landzunge eher mondän zugeht, erfreuen sich auf der anderen Seite Jugendliche und Kinder am Wasser und Fußball spielen. Wer will kann sich ein Wassertaxi nehmen und über die Bucht zurück nach Sliema oder Valletta fahren. Kostenpunkt: etwa zehn Euro pro Person.

Abseits der Hauptstadt – Ausflüge rund um die Insel

Schwindelerregende Höhen und weite Blicke – Dingli ist Maltas höchste Ortschaft.

Schwindelerregende Höhen und weite Blicke – Dingli ist Maltas höchste Ortschaft.

Nur ein weißer Streifen trennt das Meer vom Himmel. In weiter Ferne befindet sich eine vorgelagerte steinerne Insel und etwas weiter rechts davon erkenne ich etwas in weißer Farbe. Ein einsames Segelboot dreht hier seine Runden, bildet einen hellen Tupfer am einfarbigen Horizont. Ich versuche mit dem Fotoapparat so dicht wie möglich heran zu zoomen und sehe nur noch wackeliges Blau.
Der Blick geht in die Weite. Es ist umwerfend. Ich befinde mich immerhin am höchsten Punkt der Insel. Es ist angsteinflößend zu wissen, dass es vor einem mehrere hundert Meter in die Tiefe geht. Vorsicht ist angebracht. Aber die Strapazen des Fußweges in der Mittagshitze haben sich dennoch gelohnt. Die Dingli Cliffs befinden sich im Südwesten von Malta, nahe der gleichnamigen Ortschaft Dingli, die sehr gut mit dem Auto zu erreichen ist. Zu den Klippen kommt man zu Fuß, am besten nachmittags oder morgens.

Im Süden besuche ich das malerische Fischerdorf Marsaxlokk

Ein beliebtes Motiv: der romantische Fischerort Marsaxlokk im Süden. Im Hintergrund die Kirche „Our-Lady-of-Pompei“.

Ein beliebtes Motiv: der romantische Fischerort Marsaxlokk im Süden. Im Hintergrund die Kirche „Our-Lady-of-Pompei“.

Farbig und bunt schaukeln kleine Holzboote wie Nussschalen in der ruhigen Bucht. Wo am Sonntag der wöchentliche Fischmarkt stattfindet und sich die halbe Insel mit dem frischesten Fisch eindeckt, ist an diesem Wochentag am Nachmittag eine ruhige und gelassene Stimmung. Am Straßenrand unterhalten sich einige ältere Männer auf Holzstühlen über Alltägliches, nicht weit entfernt wird ein Schiff auf Holzklötzen zur Reparatur trockengelegt. Ältere Herren geben Anweisung, Jungspunde kriechen unter das in der Luft hängende Boot, um die Holzscheite zu positionieren.
Hier und da höre ich die wummernde Musik eines vorbeifahrenden Autos. Es ist idyllisch, fast schon zu typisch. Ein malerisches Fischerdörfchen, das wie hingesetzt aussieht, es aber nicht ist. Es gehört sich so. Und niemand stört sich an den wenigen Touristen, die sich heute Nachmittag hier befinden und das tun, was alle Besucher hier tun. Fotos von den gesprenkelt in der Bucht liegenden Fischerbooten mitsamt der dahinter thronenden Pfarrkirche „Our-Lady-of-Pompei“ zu schießen. Und dann natürlich in eines der verschiedenen Fischrestaurants zu gehen, um den hiesigen Fisch zu probieren. Ich mache es ebenso und es schmeckt hervorragend.

Die alte Hauptstadt Mdina trotzt noch immer vor Stärke

Nur der Ausblick ist schon den weiten Weg hoch nach Mdina wert: Valletta und die „Three Cities“ erkenne ich vage, noch weiter dahinter den weiten Ozean. Mir geht der Gedanke durch den Kopf, was es für ein Aufwand gewesen sein muss, all die militärischen Bauwerke zu errichten. Auf den entlegensten Felsspitzen zeugen massive Bauten von einstiger militärischer Stärke. Die Festungen, Bastionen und Bollwerke erscheinen wie eine Fortführung des natürlichen Felsgesteins. Mdina bildet hier keine Ausnahme. Es erscheint mit seinen mehreren Metern dicken und hohen Mauern uneinnehmbar. Der Blick reicht weit über die Landschaft Maltas, lässt jeden Feind erkennen. Wer sollte es wagen, solch eine Festung anzugreifen?

Ein Blick in die Geschichte – die Tempel auf Malta geben Rätsel auf

Ein Blick auf die landschaftliche Schönheit der Insel.

Ein Blick auf die landschaftliche Schönheit der Insel.

Überall auf der Insel finden sich mysteriöse Tempelanlagen und Gräber, um die noch immer viele Fragezeichen kreisen. Zwischen 3800 v. Chr. und 2500 v. Chr. wurden diese Anlagen gebaut und genutzt. Zu welchem Zweck ist nicht geklärt. Es wurden steinerne Figuren gefunden und menschliche Überreste, über das Alltagsleben der einstigen Bewohner ist jedoch wenig bekannt. Genauso still wie sie kamen, gingen sie auch wieder und hinterließen bis 2000 v. Chr. eine unbewohnte Insel. Hagar Qim, Tarxien, oder das Hypogäum sind einige der bekanntesten Anlagen, die einen Besuch lohnen. Malta ist außerdem mit Forts und Festungen überhäuft, die von der militärischen Vergangenheit der Insel zeugen.

Eine Woche Malta: ein Resümee

Nach vielen Ausflügen mit dem Auto bin ich rund um die Insel gekommen. Beindruckt haben mich die Tempelanlagen und der Einfluss von vielen verschiedenen Völkern, der sich vor allem in der Sprache erkenntlich zeigt. Das kristallklare Wasser hat mich in allen seinen türkisbläulichen Nuancen jeden Tag zum Schwimmen gebracht. Ich konnte unzählige Fische beobachten. Und der Hotelangestellte hatte Recht behalten mit seiner Vorhersage des Wetters, nicht ein einziges Wölkchen hat sich während der ganzen Woche gezeigt. Die Menschen haben mich in ihrer freundlichen Art überzeugt.

Einen Tipp gibt es aber noch: Malta liegt am Mittelmeer und dies bedeutet auch, dass die Läden zu einer Siesta in der Mittagszeit geschlossen bleiben. Es ist ratsam sich Wasser und etwas zu Essen mitzunehmen, falls man mittags unterwegs ist.
Gefallen hat mir auch das abendliche Leben an der Promenade. Familie und Freunde treffen sich mit Kindern und Enkeln. Es wird laut gelacht und viel gequatscht, ein wenig geflirtet und stets freundlich gelächelt, solange bis die warme Meeresluft vom Dunkel der Nacht eingehüllt wird und der nächste Tag mit gleicher Strahlkraft beginnen kann.

Über den Autor

Joscha Hekele (33 Jahre), freier Autor, verfasst Texte über seine Erfahrungen und Eindrücke beim Reisen in den verschiedensten Ländern und Kulturen dieser Welt. Sein ausgewiesenes Spezialgebiet ist der asiatische Raum, diesmal war er jedoch für CarDelMar in Malta unterwegs. Neben Reiseberichten schreibt er auch über Umweltthemen. Wenn er nicht gerade unterwegs ist, lebt er in Hamburg.