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Der Reise-Autor Alex Himberg veröffentlicht im CarDelMar Mietwagenblog seinen Reisebericht über Nord-Sizilien. Im fünften Teil der Serie nimmt er Sie mit auf Erkundungstour des Monte Pellegrino…

Der Monte Pellegrino ist einer der geheimnisvollsten Berge Siziliens. Frei stehend und über 600 Meter steil aus dem Meer aufragend stellt er so etwas wie eine „verlorene Welt“ dar. Wer sich in die Höhen des Kalksteinberges begibt, wechselt im wahrsten Sinne des Wortes in eine andere Sphäre – von der hektischen Metropole in die absolute Ruhe der Wildnis

Entsprechend konnten wir diesen Berg auch nur mit dem Mietwagen erkunden. Der örtliche Nahverkehr bietet lediglich die „Touristenfuhre“ bis zur Kirche der Heiligen Rosalia an – dann geht es den gleichen Weg wieder hinunter. Nicht einmal die Abfahrt zur anderen Seite in den berühmten Badeort Mondello oder auf den Gipfel ist den Tourismus-Experten von Palermo eine Busstrecke wert. Dabei gibt es auf dem Monte Pellegrino einen wunderbaren Naturpark. Dieser Platz hat schon die frühgeschichtlichen Menschen fasziniert. In der Addaura-Höhle fanden sich Felszeichnungen, die ca. 15.000 bis 16.000 Jahre alt sind – die ältesten  auf Sizilien.

Panorama Monte Pellegrino

Panorama Monte Pellegrino

Auch das Christentum setzte auf den spirituellen Reiz des Monte Pellegrino. Der Schutzheiligen der Stadt (die heilige Rosalia hat sich diesen Titel mit der Errettung Palermos vor der Pest verdient), wurde unterhalb des Berggipfels in 458 Metern Höhe eine ganz besondere Wallfahrtskirche eingerichtet: eine Grotte im Felsen  bildet ein natürliches Kirchenschiff, das 1625 mit einer barocken Außenfassade versehen wurde. Jedes Jahr findet in der Nacht vom 3. zum 4. September eine Wallfahrt statt – der Monte Pellegrino ist ein echter „Pilgerberg“.

Genau so eindrucksvoll ist auch schon die Fahrt auf den Berg. In engen Serpentinen windet sich die Straße hinauf – auf der einen Seite geht es Hunderte von Metern steil hinab, an der anderen Seite ragt der Fels fast senkrecht nach oben.

 

Kirche der Heiligen Rosalia

Kirche der Heiligen Rosalia

Die Hauptattraktion aber sollte die Kirche der Heiligen Rosalia sein – so wurde uns versprochen. Selbst Johann Wolfgang von Goethe war so entzückt von der liegenden Statue der Heiligen und der Kirchengrotte, dass er seine Vorbehalte in religiösen Dingen aufgab und hemmungslos von dem „wunderbaren Orte“ schwärmte. Käme der Dichterfürst heute wieder hierher, sähe er sich doch eher in seiner sonstigen Denkweise bestätigt. Der Vorplatz ist eine Ansammlung bunter Ramschbuden; die „echten“ Devotionalien werden in einem sogenannten Museum mit Kirchenzugang verkauft.
Der Grottencharakter verschwindet fast hinter den Deckenverkleidungen für die Kabel, mit denen alle möglichen Blickpunkte und Figuren beleuchtet sowie die Lautsprecheranlage in Betrieb gehalten werden. Mittlerweile fließt auch kein heiliges Wassermehr von den Wänden.

 

Straße am Monte Pellegrino

Straße am Monte Pellegrino

Heute ist der Monte Pellegrino von Palermo total umschlossen. Aber die Abfahrt auf der anderen Seite lässt sich, wie gesagt, nur mit dem eigenen Wagen machen. Den etwa 10 Kilometer langen Weg zu Fuß zurücklegen zu wollen, ist halber Selbstmord. Das starke Gefälle bereitet selbst beim Herunterlaufen große Mühe (Hochachtung für die Pilger, die das Ganze auf der anderen Bergseite auch noch als Aufstieg bewältigen), und bei den engen Kurven ist jedes Fahrzeug eine große Gefahr für den Wanderer, Falls wirklich einmal zwei Fahrzeuge aus beiden Richtungen kommen sollten, könnte es extrem knapp werden. Es gibt recht viele Gründe, warum man beim Ausflug auf den Monte Pellegrino lieber im Mietwagen sitzen sollte..

Andere Teile des Reiseberichts über Nord-Sizilien:
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