CarDelMar.com/de
Seite auswählen

Bereits neunmal war Katrin, unsere Kollegin aus dem Online-Markting-Team im Land der unbegrenzten Möglichkeiten und hat auf ausgedehnten Mietwagentouren Land und Leute kennengelernt. In unserem Blog berichtet sie von ihren Reiseerfahrungen und gibt wertvolle Tipps für alle USA-Reisenden. Da sie in den USA bereits unglaublich viel gesehen und erlebt hat, widmen wir ihren vielfältigen Erlebnissen mehrere Beiträge.

Im dritten und letzten geht es heute um beeindruckende Natur, Nationalparks und um Orte, an denen sich wichtige Ereignisse der amerikanischen Geschichte abgespielt haben.


Nach insgesamt sechs USA-Reisen bis 2012 war auch 2013 für dich ein USA-Jahr. Wohin ging es da?

Katrin: Wir haben im Mietwagen den Südwesten erkundet. Unser Ausgangs- und Endpunkt war Las Vegas. Das Schöne an dieser Tour ist, dass es dort ganz viele Nationalparks und überhaupt großartige Natur gibt – unter anderem den Grand Canyon, den Zion National Park, den in der Gegend von Page gelegenen Antelope Canyon mit seinen beeindruckenden roten Felsen oder das Monument Valley. Letzteres ist eine National Site, die sich wie viele Naturdenkmäler in der Gegend auf Indianerland befindet.

Wir waren in einem eher unbekannten National Monument namens Canyon de Chelly. Dort haben Indianer bereits vor Tausenden von Jahren Häuser in die Felsspalten gebaut, die vor etwa 800 Jahren verlassen wurden. Man sieht dort noch richtig die früheren Dorfstrukturen, zum Beispiel Aufenthaltsräume, Lagerräume und einen Schwitzraum. Der Canyon liegt schon in Colorado, von dort sind wir in die Berge nach Telluride gefahren. Wenn man aus der roterdigen Gegend der Canyons in dieses sehr alpine Gebiet auf etwa 3.000 Metern Höhe kommt, merkt man sofort, dass man etwas höhenkrank wird. Telluride war früher mal ein Bergarbeiterstädtchen und wurde dann zu einem etwas teureren Skiort ausgebaut. Wir waren Ende Mai dort und hatten sogar noch etwas Schnee.

Habt ihr während dieser Reise noch weitere National Parks besucht?

Straße Zion National Park UtahKatrin: Von Telluride ging es Richtung Utah, und zwar nach Moab. In der Gegend gibt es unter anderem den Arches National Park, wo Erosion und Verwitterung aus dem roten Felsgestein beeindruckende Bögen geformt hat. Unmittelbar daneben ist der Canyonlands National Park. Die Natur dort ist ähnlich wie im Grand Canyon: Es gibt megamäßige Schluchten, die von den Flußläufen in die Hochebene geschnitten wurden.

Wir waren auf einer Anhöhe, von der man runtergucken und die einzigartige Aussicht genießen kann. Von Moab aus sind wir außen um Canyonlands herum zum Bryce National Park gefahren. Dieser befindet sich direkt neben dem Zion, den wir auf der Hinfahrt schon besucht hatten.

Muss man in den Nationalparks eigentlich Eintritt zahlen?

Katrin: Ja, im Allgemeinen schon. Je nach Größe des Nationalparks sind die Gebühren unterschiedlich hoch. Im Yellowstone zahlt man beispielsweise 25 US-Dollar pro Auto, unabhängig davon, wie viele Leute mitfahren. Die Karte gilt für sieben Tage. Wir wussten vor Beginn unserer Reise durch den Südwesten schon, dass wir viele Nationalparks besuchen würden, und haben uns gleich für 80 US-Dollar eine Jahreskarte gekauft. Die bekommt man nicht in jedem Park, sondern nur in den größeren. Man kann sie kaufen, wenn man in den Park reinfährt.

Gibt es in den Parks auch Unterkünfte?

Katrin: Das ist unterschiedlich. In manchen gibt es Lodges, im Grand Canyon gibt es zum Beispiel das Grand Canyon Village. Die Unterkünfte in den Parks sind heiß begehrt, so dass man frühzeitig reservieren sollte. Manche Nationalparks sind so groß, dass man seine Tour gut planen muss, insbesondere, wenn man es nicht schafft, eine Unterkunft innerhalb des Parks zu bekommen. Beim Yosemite National Park zum Beispiel lag unsere Unterkunft zwei Stunden außerhalb, das war schon nicht so einfach.

Worauf sollten USA-Reisende noch achten, die einen oder mehrere Nationalparks besuchen wollen?

Katrin: Ich würde nicht zwischen Juni und Ende August dorthin reisen. In dieser Zeit ist es sehr voll und je nach Gegend auch zu heiß. Besser ist es im Mai oder im September. Aber auch in dieser Zeit sollte man immer genug Wasser mitnehmen. In den Parks ist alles sehr gut ausgebaut und toll organisiert, die Einrichtungen sind rollstuhlgerecht und es gibt immer ein Visitor Centre.

Dort bekommt man Karten und die Ranger helfen einem mit Tipps oder empfehlen Touren. Ganz wichtig finde ich, genug Zeit einzuplanen – in jedem Park gibt es total viel zu sehen und man sollte nicht einfach nur einen Park nach dem anderen abreißen. Drei Wochen sollten USA-Reisende für eine solche Rundtour schon Zeit haben. Vorher sollten sie sich überlegen, was sie wirklich sehen wollen und lieber etwas weniger, aber dafür ausreichend Zeit einplanen.

Westernlandschaft WyomingDeine bisher letzte USA-Reise in diesem Jahr führte in den Yellowstone National Park. Was ist das Besondere dort?

Katrin: Das ist sozusagen die Mutter aller Nationalparks. Die Landschaft ist so bizarr und beeindruckend, dass schon früh der Wunsch entstanden ist, sie zu bewahren. Der Park wurde 1875 gegründet. Man kann sich nicht vorstellen, wie riesig der ist. Der nächste Flughafen ist in Jackson, dort sind wir angekommen und haben den Mietwagen in Empfang genommen. Der Ort hat den Vorteil, dass es in der Nähe noch einen anderen Nationalpark gibt, den Grand Teton.

Der ist relativ unbekannt und bietet eine tolle Gebirgslandschaft. Sie wirkt so richtig westernmäßig mit ihren hohen Bergen, dem Hochplateau und den Seen. Im Yellowstone gibt es Geysire wie zum Beispiel den Old Faithfull: Der sprüht alle 90 Minuten eine Fontäne. Um den Geysir herum sind Bänke, auf denen man auf den nächsten Ausbruch warten kann. Das wirkt wie im Amphitheater. Es gibt viele riesige Becken mit heißem blauem Wasser und je nachdem wie der Wind steht, weht einem der Schwefelgeruch in die Nase. In einem Bergfluss kann man an einer bestimmten Stelle im eiskalten Wasser stehen, während gleichzeitig von der Seite her heißes Wasser kommt. An einer Stelle war ein kleiner Pool, in dem man baden konnte.

Und es gibt einen Canyon mit riesigen Wasserfällen. Auch die Tierwelt im Yellowstone ist unglaublich. Es gibt zum Beispiel noch freilebende Bisonherden. An einem Tag kamen wir in einen Stau: Auf einer abschüssigen Stelle neben der Straße stand ein riesiger Bisonbulle! Alle sind ganz langsam vorbeigefahren, um ihn zu fotografieren. Es soll dort auch Grizzlys geben. Wir haben keine gesehen. Im Park leben zudem Elche und so eine Art Antilopen.

Old Faithful Geysir YellowstoneWelche Tipps kannst du Besuchern des Yellowstone National Park mit auf den Weg geben?

Katrin: Da der Park so riesig ist, sollte man sich unbedingt genug Zeit nehmen. Allein die Loop Road ist etwa 280 Kilometer lang und nicht an einem Tag zu schaffen. Wir hatten insgesamt drei volle Tage im Park und hätten sicherlich noch mehr entdecken können, wenn wir mehr Zeit gehabt hätten.

Habt ihr auf dieser Reise noch ein weiteres Ziel in den USA angesteuert und, wenn ja, welches?

Katrin: Ja, wir sind dann von Jackson nach Baltimore geflogen. Von dort aus ging es im Mietwagen Richtung Philadelphia, die Stadt der Unabhängigkeit. Hier befinden sich die Liberty Bell, die berühmte Freiheitsglocke, und die Liberty Hall, in der die Unabhängigkeitserklärung unterschrieben wurde. Philadelphia war früher mal die Hauptstadt der USA, bevor es diesen Status an Washington abtreten musste. In Philadelphia hat mich überrascht, dass alle historischen Gebäude schon um 17 Uhr zumachen, was für die USA sehr ungewöhnlich ist.

Von Philadelphia sind wir über Delaware zu den Outer Banks gefahren. Vor der Küste liegt eine schöne Inselgruppe. Wir hatten hier noch mal richtig sommerliches Wetter und konnten die tollen Strände und das Meer mit seinen hohen Wellen genießen. Diese Region ist Nicholas-Sparks-Land: Hier spielt die Handlung des Buchs „Wie ein einziger Tag“ und dessen Verfilmung.

Outer Banks North CarolinaIn dieser Gegend hat sich auch einiges ereignet, was für die Geschichte der USA zentral war. Was hast du darüber erfahren?

Katrin: Hier, und zwar auf Roanoke Island, haben die Engländer ihre ersten Versuche unternommen, auf dem neu entdeckten Kontinent zu siedeln. Beim ersten Mal scheiterten sie nach Zwistigkeiten mit den Ureinwohnern. Beim zweiten Versuch 1587 blieben rund 100 Siedler auf der Insel zurück, während einer von ihnen nach England zurückfuhr, um für Versorgungsnachschub zu sorgen. Seine Tochter, der Schwiegersohn und deren gemeinsames Kind sollten mit den anderen Siedlern auf ihn warten.

Der Vater schaffte es erst nach drei Jahren zurückzukehren und fand die Kolonie verlassen vor. Der einzige Hinweis auf den Verbleib seiner Tochter und der übrigen Siedler war ein Hinweis, der in einen Baumstamm eingeritzt war: Croatoan, der Name einer nahe gelegenen Insel. Aufgrund eines Hurricanes brach er die Suche ab und kehrte allein nach England zurück.

Das Schicksal der „Lost Colony“ ist bis heute nicht geklärt. Nach etwa 100 Jahren entdeckten Seefahrer auf den Outer Banks Einheimische mit einer grauen Augenfarbe, wie eine Mischung aus „Weißen“ und Indianern. Archäologen vermuten, dass die Gruppe sich aufgeteilt und einige Siedler sich Indianerstämmen angeschlossen haben. 1607 gab es dann mit Jamestown, das wir auch besucht haben, das erste wirklich dauerhafte Settlement. Damit ist die Geschichte von Captain Smith und der Häuptlingstochter Pocahontas verbunden.

Jamestown National ParkIn Jamestown kann man ein nachgebautes Settlement und ein kleines Indianerdorf besichtigen. In der Gegend wurde früher sehr viel Tabak angebaut. Die Arbeit auf den Plantagen mussten Schwarze, die als Sklaven aus Westafrika hierher verschleppt worden waren, verrichten. Gleich neben Jamestown liegt Williamsburg, das geprägt ist durch gut erhaltene Gebäude aus der Zeit der Unabhängigkeitserklärung, also etwa aus den 70er und 80er Jahren des 18. Jahrhunderts. In der Nähe lebten mit George Washington und Thomas Jefferson zwei der Gründer der Vereinigten Staaten.

Wir waren auf dem Landsitz Mount Vernon, wo Washington gewohnt hat und in Jeffersons Herrenhaus Monticello. Beide besaßen Plantagen und hatten selbst Sklaven als billige Arbeitskräfte, während sie gleichzeitig auf politischer Ebene die Sklaverei kritisierten. Thomas Jefferson war sogar jahrelang mit einer Sklavin liiert und hatte mit ihr mehrere Kinder, was von seiner Familie immer abgestritten wurde. In den 1990er Jahren bewies ein DNA-Test, dass die Kinder tatsächlich von Jefferson waren. Washington hatte verfügt, dass seine Sklaven nach seinem Tod freigelassen werden sollten, während Jefferson so verschuldet war, dass die meisten seiner Sklaven verkauft werden mussten. In Monticello befindet sich heute eine Erinnerungsstätte. Insgesamt hatte ich schon den Eindruck, dass die US-Amerikaner sich auch mit diesen negativen Seiten ihrer Geschichte und ihrer berühmten Persönlichkeiten auseinandersetzen wollen.

Unsere letzte Station war Washington, D.C., sozusagen das Herz der Vereinigten Staaten. Dort befinden sich viele Monumente und ebenso viele Museen, zum Beispiel das National Museum of the American Indian. Es ist toll, dass der Eintritt in diese Museen kostenlos ist.

Washington Memorial in Washingston DCWeißt du schon, wohin deine nächste USA-Reise gehen wird?

Katrin: Fürs Erste habe ich keine weitere Reise dorthin geplant. Auch wenn meine Begeisterung für die USA ungebrochen ist, möchte ich jetzt auch mal ein anderes Land entdecken.

Gibt es noch einen letzten Experten-Tipp, den du USA-Reisenden mit auf den Weg geben möchtest?

Katrin: Ja, ich möchte nochmal darauf hinweisen, dass man nicht zu viel auf einmal machen sollte. Anfänger nehmen sich oft zu viel vor und denken zum Beispiel, sie könnten San Francisco, Las Vegas, den Yosemite und den Yellowstone National Park in einen Urlaub packen. Besser ist es, weniger Stationen zu haben und auch mal ein paar Tage zur Entspannung einzuplanen. Die Touren sollten so sein, dass man an einem Tag nie länger als sechs Stunden im Auto sitzt. Schließlich braucht man ja auch Zeit, um sich zwischendurch etwas anzuschauen. Überhaupt gibt es so viel zu sehen, dass es sich lohnt, immer wieder dort hinzufahren.

Vielen Dank für das Interview!

USA Interview Teil 3: Nationalparks und Geschichte
2.2 (44.17%) 24 Bewertung(en)